Das Sehvermögen des Pferdes

Das Sehvermögen des Pferdes

Weiß man auf welche Art und Weise Pferde sehen und ihre Umwelt wahrnehmen, so ist man als Reiter in der Lage die ein oder andere Verhaltensweise des Pferdes, besser zu interpretieren, da sich diese recht häufig aus dem Sehvermögen des Pferdes ableiten lassen.

Von Natur aus haben Pferde mit ca. 355 Grad ein recht großes Gesichtsfeld. Auf diese Weise wird es ihnen ermöglicht potenzielle Feinde sowohl vor sich, hinter sich, als auch seitlich von sich wahrzunehmen, um in einer Gefahrensituation möglichst schnell mit Flucht reagieren zu können. Wirklich scharf sehen Pferde allerdings nur in einem bestimmten Blickfeld. Andere Bereiche können entweder gar nicht, oder nur unscharf gesehen werden.

Das Sehvermögen des Pferdes

Räumliches Sehen von Pferden

Bedingt durch die Tatsache, dass Pferde nur bestimmte Bereiche in ihrem Sichtfeld wirklich scharf sehen können, unterscheidet man im Gesichtsfeld eines Pferdes zwischen dem sogenannten Binokularfeld und dem Monokularfeld. Im Binokularfeld, das ca. 70 Grad groß ist und vor dem Pferd liegt, kann das Pferd nicht nur gleichzeitig mit beiden Augen das Umfeld erfassen, sondern es ist auch in der Lage räumlich zu sehen und Entfernungen abzuschätzen.

Das Monokularfeld befindet sich hingegen seitlich links und rechts vom Pferd. Hier können die Augen des Pferdes in einem Winkel von 215 Grad nach links und rechts, und in einem Winkel von 180 Grad nach oben und unten sehen. Im Gegensatz zum Binokularfeld können Pferde im Monokularfeld Gegenstände nur undeutlich wahrnehmen.

Sehschärfe von Pferden

Pferdeaugen müssen von Natur nicht unbedingt scharf sehen, sondern sie müssen in der Lage sein plötzlich auftretende Veränderungen und Bewegungen zu erkennen, um vor potenziellen Feinden fliehen zu können. Pferde sehen daher nur in einem bestimmten Bereich scharf, ein Bereich, der sich bei Pferden einmal quer durch das Auge zieht und der nur wahrgenommen werden kann, wenn Pferde den Kopf natürlich tragen oder heben. Pferde, die also im Springparcours vor den Hindernissen den Kopf heben, reagieren nicht aufgrund einer Unart so, sondern sie versuchen das Hindernis besser sehen zu können.

Bei Pferden, denen im Rahmen unkonventioneller Trainingsmethoden der Kopf auf die Brust gezogen wird, sind aufgrund des sogenannten Blinden Flecks, der sich direkt vor dem Maul des Pferdes befindet, nicht in der Lage diesen Bereich einzusehen. Diese Pferde werden daher dazu gezwungen, mehr oder weniger blind vorwärtszugehen.

Erkennen von Hell und Dunkel

Wie wir Menschen können Pferde im Dunkeln verhältnismäßig schlecht sehen. Anders jedoch bei Dämmerung. Hier können sie Dank eines im Auge befindlichen Restlichtverstärkers (Leuchtapete, Tapetum lucidum), verhältnismäßig gut sehen, da einfallendes Licht im Auge reflektiert wird und auf die Netzhaut geworfen wird.

In Bezug auf die Anpassung des Auges auf verschiedene Helligkeitsstufen sind Pferde den Menschen jedoch unterlegen. Bei Pferden passt sich die Pupille des Auges den wechselnden Tageslichtverhältnissen relativ langsam an. Aus diesem Grund haben Pferde häufig Probleme mit dem Sehen, wenn es zu einem plötzlichen Wechsel zwischen Hell und Dunkel kommt. Geländereiter müssen ihren Pferden daher immer eine gewisse Eingewöhnungszeit einräumen, wenn sie aus einem dunklen Wald auf eine helle freie Fläche reiten.

Welche Farben können Pferde sehen?

Ob und welche Farben von Pferden gesehen werden können, ist wissenschaftlich noch nicht einwandfrei geklärt und wird in Fachkreisen oft diskutiert. Man vermutet aber, dass Pferde nur blaue und rote Sehzapfen besitzen und daher auch nur Blau und Rot sehen und voneinander unterscheiden können. Untermauert wird dieser Verdacht durch einen Versuch, den man mithilfe blauer und roter Farbtafeln gemacht hat. Tippte das Pferd die blaue Tafel an, so bekam es ein Leckerchen. Beim Antippen der roten Tafel geschah nichts. Schon bald hatte das Versuchspferd verstanden, dass es nur beim Berühren der blauen Tafel eine Belohnung erhielt. Wurde der Versuch mit anderen Farben wiederholt, so waren Pferde nicht in der Lage, die Farben auseinander zu halten.

Wahrnehmung von Veränderungen

Wer hat das nicht selbst schon einmal am eigenen Leib erfahren? Da reitet man 10 Mal an ein und derselben Stelle vorbei und das Pferd reagiert gelassen und beim 11. Mal springt es auf einmal erschrocken zur Seite. Wir Menschen verstehen häufig nicht, was genau das Pferd in dieser Situation beunruhigt hat, Pferde hingegen nehmen ihre Umwelt genau wahr und registrieren bereits die kleinsten Veränderungen, da von diesen eine Bedrohung für das Pferd ausgehen könnte. So kann es sein, dass ein Pferd eine geschlossene Mülltonne nicht bedrohlich empfindet, da es diese spezielle Mülltonne kennt und jeden Tag an ihr vorbeigeht.

Ist die Mülltonne jedoch plötzlich geöffnet, so registriert das Pferd die Veränderung sofort, und kann unter Umständen mit einem Scheuen reagieren. Geschlossene Mülltonnen generell bedeuten allerdings nicht, dass Pferde sich vor ihnen nicht fürchten. Steht diese Mülltonne nämlich an einem anderen Ort, so stellt das für das Pferd eine vollkommen neuartige Situation dar, die unter Umständen wieder bedrohlich wirken kann.

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