Vorgehen gegen Tierquälerei

Couragierte Reiter braucht das Land: Vorgehen gegen Tierquälerei

Pferdefreunde, die monatlich das Reitsportmagazin St. Georg lesen, wird es bei der Lektüre der aktuellen Ausgabe dieses Monats sicherlich nicht nur die Sprache verschlagen, sondern auch der Magen umgedreht haben. Die Rede ist hier von einem Bericht, indem geschildert wird, auf welche Weise eine „hochrenommierte“ Dressurausbilderin ihre Pferde traktiert und damit lange Zeit sogar ungeschoren davon kommt. Nur dem beherzten und beständigen Eingreifen einiger Pferdefreunde ist es zu verdanken, dass mittlerweile die Staatsanwaltschaft in das Geschehen eingreift.

Tierquälerei im Trainingsalltag?

Wer selbst tagtäglich auf dem Pferderücken sitzt, der hat bestimmt schon selbst die Erfahrung gemacht, welche Bilder entstehen können, wenn Reiter und Pferd sich uneinig sind. Einige Reiter werden aber auch an sich selbst die Erfahrung gemacht haben, dass es in manchen Situationen klüger ist abzusteigen und am nächsten Tag in Ruhe das Training wieder aufzunehmen. Die Dressurreiterin Christine W. gehört, wie der St. Georg aktuell berichtet, sicherlich nicht zu diesen Menschen. In einem Video, das Pferdefreunde von einer Trainingseinheit der Reiterin machen konnten, wird ein Pferd 53 Minuten lang auf das Übelste mit Sporn, Gerte und groben Handeinsatz traktiert. Zahlreiche Augenzeugen berichten zusätzlich dazu von den Trainingsmethoden der ehemaligen Weltcup-Finalistin.

Zur Verdeutlichung hier einige Zitate aus dem betreffenden St. George Artikel:

„Wenn sich die Fuchsstute dann doch einmal aufbäumt, wenn sie rückwärts läuft oder nach dem sie fortwährend malträtierenden Schenkel schlägt, hat sie dies bitter zu bereuen. Zum Hin- und Herziehen des Halses kommt dann noch die Gerte hinzu. Die Reiterin – aufgrund von Turniererfolgen mit dem goldenen Reitabzeichen dekoriert – zieht den Knauf zwei Handbreit aus der Zügelfaust und schlägt damit auf das Gesicht des Pferdes ein.“

„Wenn die Pferde longiert wurden, dann waren sie so extrem eng ausgebunden, dass sie ihren Hals kaum noch bewegen konnten und wurden auf engstem Kreis longiert, wobei ein Helfer oder Frau W. selbst auf das Hinterteil des Pferdes unentwegt einschlug. Häufig waren sie auf Kandare gezäumt.“

Jeder Pferdefreund wird bei solchen Schilderungen sicherlich nur den Kopf schütteln und sich fragen, wie man überhaupt dazu imstande sein kann, einem Lebewesen solche Schmerzen zuzufügen. Das Bildmaterial, das von St. Georg geliefert wird, tut sein Übriges, um das Bild des Grauens zu komplettieren. Leider gehört das Beispiel von Christiane W. keinesfalls zu den Einzelfällen. Fragt man einmal im Bekanntenkreis umher, dann können die meisten Reiter Geschichten über äußerst fragwürdige Trainingsmethoden berichten.

Egal ob ambitionierter Freizeitreiter oder anerkannter Profiausbilder, schwarze Schafe gibt es in jedem Bereich. In vielen Fällen wird weggeschaut. Und nur ganz selten wagt es sich ein Reiter aktiv in das Geschehen einzugreifen.

Im Fall von Christine W. gab es bereits mehrere Anzeigen wegen Tiermisshandlung und ein vorläufiges Tierumgangsverbot, das 2006 vom Amtsgericht Norderstedt ausgesprochen wurde. Dass Frau W. sich offensichtlich nicht daran hielt, dokumentieren die vom St. Georg abgedruckten Bilder eindeutig.

Couragiertes Eingreifen nötig

Dass der Fall von Christine W. überhaupt bekannt wurde, ist der Beharrlichkeit einiger Pferdefreunde zu verdanken, die das Leiden der Berittpferde nicht mehr ertragen konnten. Nach zahlreichen Telefonaten mit Gutachtern, in denen jedoch mehr vertröstet als gehandelt wurde, entschied man sich dazu eine „Trainingseinheit“ von Frau W. heimlich zu filmen. Diese Aufnahme wurden nun der Staatsanwaltschaft übergeben. Die Hauptverhandlung soll in Kürze stattfinden.

Tierquälerei: Eingreifen oder nicht?

Wer sich mit Berichten über offensichtliche Tierquälereien und umstrittene Trainingsmethoden auseinandersetzt, der wird nur den Kopf schütteln und sich fragen, warum umstehende Personen nicht eingegriffen haben. Aber seien wir doch einmal ehrlich, wenn sich solche Szenen im eigenen Stall abspielen, dann überlegt man leider zweimal, ob man Maßnahmen ergreifen sollte oder nicht. Auch wenn man sich selbst im Recht wähnt, so muss man unter Umständen immer Angst vor eventuellen Rachefeldzügen haben, unter denen, unter Umständen, auch das eigene Pferd zu leiden hätte. Statt dieses Risiko einzugehen, wird vielerorts also weiter hinter vorgehaltener Hand getuschelt oder weggeschaut.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass jedes Einschreiten vielleicht nicht unbedingt zum gewünschten Erfolg führt, aber durchaus registriert wird. Nachdem ein mir bekannter Pferdewirtschaftsmeister zum wiederholten Male (also nicht das erste Mal) ein Pferd in der Ecke der Reithalle mit massiven Sporen und Gerteneinsatz malträtiert hatte, erlaubte ich mir anzumerken, dass das doch jetzt kaum der richtige Weg wäre, um von dem Pferd eine Lektion abzufordern.

Als Antwort wurde ich der Reithalle verwiesen und mir wurde angeraten mich, um meine eigenen Dinge zu kümmern. Schließlich habe man seinen Beruf gelernt und wisse, was man tue. Die Besitzerin des Pferdes, die am Morgen vor einem Turnier ihre Pferde auch gerne mal mit Schlaufzügeln auf die bevorstehende Prüfung vorbereitet, saß übrigens auf der Tribüne und beobachtete das Spektakel in aller Ruhe. Leider auch kein Einzelfall.

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