Tipps vom Hufschmied: Beurteilung eines Hufbeschlags

Tipps vom Hufschmied: Beurteilung eines Hufbeschlags

Udo Bohneberg, staatlich geprüfter Hufbeschlagschmied, beantwortet in regelmäßigen Abständen Fragen rund um die Themen Huf und Hufbeschlag. Unterstützt wird er dabei durch die Tier-Physiotherapeutin Yvette Eulgem.  Hier geht es um die Beurteilung eines Hufbeschlags, sowohl durch den Pferdebesitzer, als auch durch den Hufschmied. Auf diese Weise kann sich auch der Laie ein Bild davon machen, ob der Hufbeschlag die Voraussetzungen erfüllt, die ihn zu einem geeigneten Hufbeschlag werden lassen.

Warum eine Kooperation zwischen Hufschmied und Tier-Physiotherapeutin sinnvoll ist

Aber warum beteiligt sich gerade eine Tier-Physiotherapeutin an der Beantwortung von Fragen zu Hufproblemen? Ist das überhaupt ihr Gebiet? Indirekt schon, denn hat ein Pferd ein Hufproblem, zeigt es sehr oft noch an anderen Stellen des Körpers Probleme auf. Hat das Pferd zum Beispiel eine Hufrollenentzündung und ist damit schon länger in Behandlung, wird es mit einem anderen Hufbeschlag folglich besser laufen können.

Durch die falsche Belastung hat das Pferd vielleicht auch Probleme in der Schulter bekommen, welche zusätzlich physiotherapeutisch korrigiert, bzw. behoben werden. Es geht aber auch anders! Hat das Pferd ein Problem im Rücken oder den Gliedmaßen, können daraus auch sehr oft Hufprobleme entstehen.

Beurteilung des Pferdes durch den Hufschmied

Zu einem guten Hufbeschlag gehören viele Arbeitsgänge, die jedoch häufig aus Unwissenheit oder Zeitmangel weggelassen werden. Aber was gehört denn zu einem guten Hufbeschlag bzw. wie kann ich als Pferdebesitzer oder Reiter erkennen, ob der Hufbeschlag an meinem Pferd auch die nötigen Grundvoraussetzungen hat, die zu einem guten Hufbeschlag gehören?
Bevor der Hufschmied sich jedoch an die Beurteilung des Pferdes macht, ist er auf einige grundlegende Informationen durch den Reiter angewiesen.

Dazu gehören:

  • Kennzeichnung des Pferdes
  • Name des Pferdes, Farbe, Geschlecht, Abzeichen, Zahnalter
  • Pferderasse
  • Verwendungszweck des Pferdes

Vor der weiteren Musterung wird noch gefragt, wann das Pferd das letzte Mal beschlagen wurde und ob das Pferd vorher bewegt wurde.
Sind all die oben stehenden Fragen abgeklärt, folgt die eigentliche Beurteilung des Pferdes, sowohl vor und nach dem Beschlag. Zusätzlich dazu sollte ein Hufschmied einen Plan zum Beschlag und zur Endkontrolle anfertigen.

Beurteilung der Hufe des Pferdes vor Anfertigung des Beschlags

Bevor der Hufschmied damit beginnt, den Beschlag anzubringen, sollte zunächst eine Beurteilung des Pferdes vor dem Beschlag erfolgen. Dazu sollte das Pferd in Ruhe, auf ebenen Boden und mit gleicher Belastung aller 4 Hufe und Gliedmaßen begutachtet werden.

Der Hufschmied sollte dann folgende Faktoren näher begutachten:

  • Stellung der Gliedmaßen von vorne, von hinten und von der Seite des Pferdes
  • Wie sieht die Zehenachse des Pferdes aus? Passt der Huf zum Fesselstand (von vorne, von hinten und von der Seite)
  • Wie sieht der Huf aus bzw. welche Hufform hat das Pferd? Ist der Huf regelmäßig, spitz, eng, stumpf, weit, halb-eng, halb weit? Hat das Pferd einen Bockhuf, einen krummen Huf, einen Schiefhuf, einen Umformungshuf oder einen diagonalen Huf bzw. haben alle Hufe überhaupt die gleiche Größe?
  • Wie sieht die Krone des Pferdehufs aus?
  • Hat die Hufwand regelmäßige Ringe oder Furchen?
  • In welchem Zustand sind die Zehen- und Trachtenwand? Weisen sie regelmäßige Ringe oder Furchen auf?
  • Wie sieht die Hornsohle des Pferdes aus?
  • Welchen Eindruck macht der Tragerand des Hufs?
  • Wie sehen die weißen Linien und der Hufstrahl aus?
  • Welchen Eindruck machen die Eckstrebenwände bzw. die Eckstrebenwinkel?
  • Welchen Eindruck machen die Ballen, die Hufoberfläche, die Form und die Größe des Hufes?
  • Wie kann die Elastizität des Hufhorns beurteilt werden?

Beurteilung des alten Beschlags am stehenden Pferd

Im Anschluss an die Analyse des Pferdehufs sollte der Hufschmied den alten Beschlag am stehenden Pferd genauer begutachten. Dazu gehören:

  • Bewertung der Qualität des Beschlages
  • Der Sitz des Eisens
  • Anzahl und die Verteilung der Hufnägel
  • Sind die Nieten richtig eingelassen, richtig angezogen und haben sie die richtige Länge?
  • Sitz der Kappen vor der, in der, hinter der weitesten Stelle an der Hornkapsel. Sind die Kappen an der Basis richtig angeschmiedet „in dem Verlauf der Hufwand“
  • Deckung des Hufeisens: Bis zur weitesten Stelle des Tragrand entsprechend (eine Strohhalmbreite darf die Hufsohle mit zum Tragen herangezogen werden) ab der weitesten Stelle dem Kronrand entsprechend.
  • Länge des Hufeisens: Die Länge des Hufeisens richtet sich nach dem Beschlag „schulungs- oder zweckmäßig“
  • Breite des Hufeisens: Richtet sich nach dem Einsatzgebiet. Dressur, Springen usw.
  • Sind die Hufeisenschenkel gleich hoch?
  • Ist der Beschlag überfällig mit überstehendem Tragerand über die Eisenschenkel?
  • Beurteilung des Hufeisens an der aufgehobenen Gliedmaße, fester und regelmäßiger Sitz, Form, Weite, Deckung, Stützung, Abrieb am Hufeisen, Nagelköpfe.
  • Beurteilung des Pferdes vor dem Beschlag in Bewegung bei Verdacht auf Lahmheit.
  • Prüfen der Pulsation der Mittelfußarterien.

Beurteilung des alten Beschlags in der Bewegung

Das mit einer Trense gezäumte Pferd (außer Fohlen) wird zunächst im Schritt auf ebenem Boden geradeaus geführt, dabei wird es von vorne, von hinten und von der Seite beobachtet. Als Hufschmied beurteilt man dabei das Abheben, das Vorschwingen und das Fußen des Pferdes.

Von vorne wird registriert, ob die Gliedmaße mit dem Huf auf gerader Linie, um oder gegen den stützenden Fuß vorwärts geführt wird. Zusätzlich dazu achtet man auf Streichverletzungen an der Hufkrone innen. Von der Seite achtet man auf einen regelmäßigen Schwingbogen, Schrittlänge und Schritthöhe. Aber auch der planen Fußung des Hufes muss Beachtung geschenkt werden. Dabei ist die Fußung allerdings abhängig von der Bodenbeschaffenheit. Das Pferd fußt mit der äußeren oder der inneren Wand zuerst auf, wenn diese zu hoch sind, oder die Eisenschenkel eine ungleiche Höhe besitzen.

Dieses Phänomen tritt aber auch bei zu engen Hufeisen auf bzw. wenn Schmerzen im Huf vorhanden sind. Liegt beispielsweise ein schmerzhafter Prozess in der äußeren Hufwand vor, dann wird der Fuß nach außen geführt und erst dann der innere Tragrand auf dem Boden aufgesetzt. Ist vor dem Beschlag eine Lahmheit im Schritt festgestellt worden, ist der Besitzer zu informieren und es muss umgehend ein Tierarzt benachrichtigt werden.

Im Anschluss an die Beurteilung des Pferdes im Schritt, wird das Pferd im Trab, sowohl von vorn, von hinten und von der Seite genauer analysiert. Bei der Beurteilung wird das Pferd nach Möglichkeit 15 Meter hin und zurück auf weichem und hartem Boden vorgeführt.

Existiert eine Lahmheit, so ist diese im Trab leichter sichtbar. Von vorne wird auf die Gliedmaßenführung geachtet. Streichwunden sind am Fesselkopf sichtbar. Von der Seite wird die Gefahr des Greifens festgestellt und beurteilt.

Beurteilung des Pferdes nach dem Beschlag

Die Beurteilung des Pferdes nach dem Beschlag geschieht nach der gleichen Reihenfolge und dem Prinzip, wie der Beurteilung des Pferdes vor dem Beschlag.

Anmerkung:

Dieser Text soll keine Anleitung für den Hufbeschlag ihres Pferds sein. Er soll nur einige Denkanstöße bieten, damit Sie oder ihr Hufschmied (Hufpfleger, Huftechniker usw.) vielleicht ein Problem, das ihr Pferd hat, mal von einer anderen Seite betrachten können und schneller eine Lösung finden. Zum Wohle des Pferdes.

Entschuldigung - das darf nicht kopiert werden ....

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