Abreiten und Trockenreiten

Abreiten und Trockenreiten – Warum beide fürs Pferd wichtig sind

Wie viel Zeit soll man als Reiter denn nun für die Aufwärmphase und das Trockenreiten des Pferdes einplanen? Reichen 10 Minuten oder sind 20 Minuten doch eher besser? Während so mancher Reiter bereits wenige Minuten nach Betreten der Halle mit dem täglichen Arbeitspensum beginnt, lassen andere Reiter ihr Pferd bis zu 30 Minuten im Schritt gehen, bevor das erste Mal angetrabt wird. Aber wie viel Zeit sollte man tatsächlich einplanen, um das Pferd optimal aufs Training vorzubereiten und aus welchem Grund ist sowohl eine gründliche Aufwärmphase, wie das Trockenreiten für die Gesundheit des Pferdes von großer Bedeutung?

Warum müssen Pferde aufgewärmt werden – ein kleiner medizinischer Exkurs

In jeder Sportart sollte sich der Athlet, bevor er mit dem eigentlichen Training beginnt, einer ausreichenden Aufwärmphase unterziehen, die den Körper auf die bevorstehenden Belastungen vorbereitet. Wird dies nämlich versäumt, so kann nicht nur das Training seine Effektivität verlieren, sondern der Bewegungsapparat des Sportlers kann durchaus in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Athlet Pferd bildet dabei keine Ausnahme und es spielt dabei auch keine Rolle, in welcher Disziplin das Pferd zum Einsatz kommt.

Ein gründliches Aufwärmen des Pferdes soll in erster Linie zwei wesentlichen Problembereichen vorbeugen. Zum einen soll einer Übersäuerung der Muskulatur vorgebeugt werden und zum anderen soll der Gelenkstoffwechsel langsam angeregt werden, um potenziellen Gelenkschäden vorzubeugen.

Die Muskulatur des Pferds kann ganz grundsätzlich in zwei Klassen eingeteilt werden. Die erste Muskelgruppe beeinflusst die Ausdauer des Pferdes und benötigt zeitgleich viel Sauerstoff, um optimal arbeiten zu können. Im Gegensatz dazu benötigt die zweite Muskelgruppe  zwar weniger Sauerstoff, kommt dafür aber auch nur bei den Lektionen zum Einsatz, die über kurze Zeit viel Kraft vom Pferd fordert, die eine kalte Muskulatur jedoch nicht bereitstellen kann.

Wird die Muskulatur des Pferdes im unaufgewärmten Zustand stark beansprucht, so benötigt der Muskel mehr Sauerstoff als ihm durch das Blut geliefert werden kann. Der Muskel versucht die fehlende Energie aus einer verstärkten Milchsäureproduktion zu beziehen, wodurch der Muskel letztendlich übersäuert wird und vorzeitig ermüdet. Ein effektives Training wird so also unmöglich gemacht.

Mit den Gelenken des Pferdes verhält es sich ähnlich. Zu Beginn der Aufwärmphase befindet sich nicht nur relativ wenig Gelenkflüssigkeit im Gelenk, sondern diese Flüssigkeit ist noch nicht aufgewärmt. Als Folge davon bewegt sich der Gelenkknochen nicht reibungslos in der Gelenkpfanne. Erst während des Abreitens wird der Gelenkstoffwechsel, bei dem Schlackestoffe aus dem Gelenk befördert werden und Nährstoffe in das Gelenk gelangen, langsam aktiviert.

Wie sollte die optimale Aufwärmphase für das Pferd aussehen?

Zu Beginn einer jeden Reitstunde sollte man seinem Pferd mindestens 15 Minuten im Schritt gönnen. Dabei sollten Extreme jedoch vermieden werden. Das Pferd sollte während des anfänglichen Schrittreitens weder die ganze Zeit am langen Zügel durch die Reitbahn schlendern, noch sollte es in dieser Phase versammelt werden. Optimal ist das Reiten eines fleißigen Schritts, durch den folgendes geschieht:

  • die Durchblutung wird angeregt
  • der Muskelstoffwechsel wird angeregt
  • die Körpertemperatur wird langsam gesteigert
  • die Muskulatur wird elastischer
  • die Herz- und Atemfrequenz steigt und ermöglicht eine bessere Sauerstoffzufuhr
  • die Produktion der Gelenkflüssigkeit wird gesteigert
  • die Gelenkflüssigkeit erwärmt sich

Der Schrittphase folgt die nächste Aufwärmphase im Trab und im Galopp. Hier gilt das gleiche wie im Schritt. Für circa 10 Minuten wärmt der Reiter sein Pferd in beiden Gangarten auf beiden Händen gleichmäßig auf, ohne es dabei zu überanstrengen.

In der Trabphase wählt der Reiter das Leichttraben, um die Gelenke des Pferdes langsam an die Belastung im Trab zu gewöhnen. Der Galopp sollte fleißig geritten werden ohne dabei jedoch die Hinterhand zu stark zu aktivieren.

Die Phase des Trockenreitens

Nach getaner Arbeit ist es ein absolutes Tabu direkt vom Pferd abzusteigen und dieses zurück in den Stall zu stellen. Genauso wie die Muskulatur langsam aufgewärmt wurde, so muss sie jetzt entsprechend abgewärmt werden. Geschieht dies nämlich nicht, so führt die hohe Laktatansammlung zu dem, was bei uns Menschen schlicht und ergreifend als Muskelkater bezeichnet wird. Hier kommt das Trockenreiten zum Einsatz.

Aus diesem Grund sollte man die Arbeit langsam ausklingen lassen, indem man an das Training eine ca. 5 Minuten lange Leichttrab-Phase anschließt, in der das Pferd die Möglichkeit erhält sich nach der Aufrichtung langsam wieder vorwärts-abwärts zu dehnen. Abschließend beendet der Reiter die Reitstunde mit einer Schrittphase, in der das Pferd am langen Zügel gehen darf.

Anpassen der Auf- und Abwärmphasen an das Pferd

Die hier genannten Richtwerte empfehlen sich selbstverständlich nur bei gesunden Pferden. Legen Pferde bereits ein fortgeschrittenes Alter an den Tag oder sind bereits gesundheitlich angeschlagen, so kann es notwendig werden, gerade die Aufwärmphase zeitlich auszudehnen. Hierzu sollte man sich aber von Fall zu Fall mit seinem Tierarzt besprechen.

 

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